Start » Grußwort zum Festakt 100 Jahre Kinderklinik von Professor Dr. Johannes Forster

Grußwort zum Festakt 100 Jahre Kinderklinik von Professor Dr. Johannes Forster

Von meinen Vorrednern haben Sie schon einiges aus den vergangenen 100 Jahren gehört. Ich möchte kurz noch einmal Ihre Aufmerksamkeit auf die Zeit der Klinik richten, in der sie einen hauptamtlichen Chefarzt hat. Der erste in der Kinderklinik St. Hedwig am Stadtgarten war ab 1970 Herr Prof. Helwig. Er hat der neben seiner tagtäglichen Sorge für die Kranken und ihre Familien auch die den damaligen Zeitläufen geschuldete Umstrukturierung und den Umzug der Klinik an das St. Josefskrankenhaus geschultert. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1996 hat er die Klinik mit wachem Auge und gutem Rat begleitet. Seiner gedenken wir heute, im Monat nach seinem Tode im 87. Lebensjahr, mit großer Dankbarkeit.

Für die Kinderheilkunde in Deutschland begannen in meiner Zeit als Chefarzt hier am St. Josefskrankenhaus wiederum schwere Zeiten. Mit deutscher Gründlichkeit wurde bei der Einführung des DRG-Systems auch die Versorgung der Kinder- und Jugendlichen im Krankenhaus in das Fall-Pauschalen-Bezahl-System einbezogen. Das war beim australischen Vorbild mit gutem Grund nicht so. Menschen sind, nur weil sie krank sind, generell nicht einfach nur Fälle, am wenigsten die Kinder. In der Analyse, dass in Zukunft eine ganzheitliche Versorgung von Kinder- und Jugendlichen unter diesen Bedingungen nur in der Bündelung der Kräfte und Ressourcen zu bewältigen sein wird, waren die Ärzte beider Freiburger Kinder-Kliniken rasch einig. Mein großes Plus in dieser Situation war, dass ich den damaligen Geschäftsführer Herrn Helmut Schillinger stets an meiner Seite wußte. Erfreulich ist es, dass die Träger sich auf dieses mit großem Aufwand verbundene Projekt eingelassen und es jetzt mit Unterstützung des Landes in die Phase der baulichen Realisierung vorangebracht haben. Wir freuen uns sehr über die gestern erfolgte Baufreigabe.

Wir blicken heute auf 100 Jahre St. Hedwig zurück. Hier liegen Wurzeln für die Gestaltung der Zukunft in der neuen Kinder- und Jugendklink Freiburg. Ich will Ihnen drei kurze Beispiele geben.  Familien sind heute einerseits mit dem Umstand konfrontiert, dass beide Eltern für ein ausreichendes Familieneinkommen arbeiten müssen. Andererseits sind viele – auch anspruchsvolle – Behandlungen chronischer Erkrankungen in die elterlichen Hände gelegt worden. Was fehlte, ist eine hinreichende Ertüchtigung für die diese Aufgabe. Solche sogenannten Schulungen werden auch in Deutschland seit 20 Jahren entwickelt. Wir haben möglichst viele im St. Josefskrankenhaus eingeführt zur hohen Zufriedenheit der Familien und auch ihrer Kinder- und Jugendärzte in den Praxen. Diese und die Kliniken sind aber logistisch für diese wichtige Aufgabe nicht ausgestattet – auch sind sie in der Raumausstattung einer Kinderklinik nach wie vor nicht vorgesehen. Deswegen ist ein Familien- und Schulungszentrum eines der großen Projekte, dem sich die Initiative für die Neue Kinder- und Jugendklinik verschrieben hat.

Die Klinik für Kinder – und Jugendmedizin des St. Josefskrankenhauses gilt immer noch vielen Freiburgerinnen und Freiburgern als das „Hedwigshaus“. Dies verbindet sich mit einer hohen Zufriedenheit mit der Arbeitsleistung und mit der Einstellung der Pflegenden, Ärztinnen und Ärzten. Einstellungen kann man schwer lernen, man muss sie erleben. Deshalb und weil zur zeit schwerpunktmäßig unterschiedliche Krankheitsbilder in den beiden Kliniken versorgt werden, wurde mit Beginn diesen Jahrtausends begonnen, kontinuierlich Ärzte zwischen den Kliniken zu tauschen. Die jungen Kolleginnen und Kollegen erhalten so eine ganzheitliche Ausbildung – und eine gute Entscheidungsgrundlage, ob sie ihre Zukunft schwerpunktmäßig in der Patientenversorgung oder in der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendmedizin sehen. Eine ähnliche Situation wird sich in der Zukunft in der neuen Kinderklinik ergeben, sowie eine zusätzliche Option durch gemeinsame Patientenversorgung mit den Praxis-Pädiatern unter einen Dach. Diese haben wir im St. Josefskrankenhaus erfolgreich gestartet.

Als drittes und letztes: Kann man den „Geist von St. Hedwig“ in Worte fassen? Mir selber ist es nicht so einfach gelungen. Eine Hilfe gab mir ein gemeinsames Projekt der drei Orden der Trägerschaft des Regionalverbundes kirchlicher Krankenhäuser mit dem Namen „Christliche Führungs-Kompetenz“. Interprofessionelle Seminare und Workshops bedienten bekannte Führungsthemen wie Kommunikation und Professionalität. Unter der letzten Überschrift findet man dann üblicherweise Themen wie Verantwortlichkeit, Ethik, und als Methode die „servant leadership“. Was man eher nicht findet, ist das „Dienen“ als solches. Das ist ein Begriff, der in den Orden noch geläufig ist, die sich ja als Dienstgemeinschaften in Christi Auftrag verstehen. Im allgemeinen Denken kommt es kaum mehr vor. Am besten kann man es vor seinem Gegenteil abbilden: Helfen und unterstützen ohne Berechnung und Anspruch.  Es scheint glücklicherweise auch eine allgemein-menschliche Eigenschaft zu sein: „Es gibt im Menschen auch ein Dienenwollendes“ sagt Goethe in seinen Maximen und Reflexionen 1826. In diesem Sinne wird die Freiburger Kinder- und Jugendmedizin die 100 Jahre St. Hedwig fortsetzen für die Familien mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die „ihr Vertrauen wert“ sind.  Den früheren Generationen „St. Hedwig“ gilt mein Glückwunsch und die Dankbarkeit der gesamten aktuellen Generation. Dieser wünsche ich für den weiteren Weg von Herzen Gottes Segen.