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Chefarzt Prof. Dr. Thorsten Vowinkel: „Hier spürt der Patient, dass er im Mittelpunkt steht“

Seit dem 1. August 2018 hat die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie im St. Josefskrankenhaus mit Prof. Dr. Thorsten Vowinkel, FACS einen neuen Chefarzt. Die Klinik bietet das gesamte Spektrum moderner Behandlungs- und Operationsverfahren von Erkrankungen und Tumoren des Hals- und Bauchraums, der Bauchorgane, der endokrinen Organe (z. B. Schilddrüse) und der Weichteilgewebe. Das Redaktionsteam des Mitarbeitermagazins Quartett sprach mit ihm über seine bisherigen Erfahrungen und ersten Eindrücke. An dieser Stelle wird das in der Frühjahrsausgabe abgedruckte Interview vorab veröffentlicht.

Chefarzt Prof. Dr. Thorsten Vowinkel
Chefarzt Prof. Dr. Thorsten Vowinkel

Nach dem Medizinstudium an der Julius-Maximilians Universität in Würzburg wechselte Professor Vowinkel an die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Universitätsklinikum Münster. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der Louisiana State University in Shreveport/USA und einer Tätigkeit an der Klinik für Allgemein- und Unfallchirurgie des Herz-Jesu-Krankenhauses Hiltrup erwarb er zurück in Münster den Facharzt für Chirurgie, die Zusatzbezeichnungen Proktologie und Notfallmedizin sowie die Schwerpunktbezeichnung Spezielle Viszeralchirurgie. Auf die Habilitation folgte im Oktober 2017 die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor für Chirurgie der Medizinischen Fakultät.

Mit was haben Sie sich in den ersten 6 Monaten Ihrer neuen Tätigkeit am meisten beschäftigt, wenn Sie nicht im OP standen ?
Zu aller erst war es mir wichtig, mein chirurgisches Team kennenzulernen und erste Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Abteilungen des RKK-Klinikums und den Pflegeteams der Stationen, der Ambulanz und des OPs zu führen. Ebenso war es mir ein großes Anliegen, möglichst viele unserer Kooperationspartner, niedergelassene Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, sie in ihren Praxen zu besuchen und mich mit ihnen auszutauschen.

Welche Rolle spielen die Einweiser in der Patientenversorgung ?
Die Hausärzte spielen eine Schlüsselrolle. Sie kennen den Patienten durch die oft langjährige Betreuung am besten; ich lege deshalb ganz großen Wert auf ihre Einschätzung und es ist deshalb auch mein Anliegen im Schulterschluss mit den Hausärzten die Therapieentscheidungen zu treffen. Zusammen mit den umfangreichen interdisziplinären Kompetenzen im RKK Klinikum kann Patienten dann schnell, zuverlässig und nachhaltig geholfen werden. In diesem Zusammenhang spielt auch die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Hausärzte und eine aktive Teilnahme an Qualitätszirkeln für mich eine wichtige Rolle.

Wie haben Sie den Wechsel nach Freiburg erlebt?
Vom ersten Tag an wurde ich von allen offen und herzlich aufgenommen. Dass ich ein sehr gut funktionierendes Team übernommen habe, hat mir den Start ungemein erleichtert. Das St. Josefskrankenhaus in Freiburg ist ein von Zuweisern und Patienten gleichermaßen sehr geschätztes Krankenhaus im Herzen der Stadt, in dem Patienten nach dem neusten Stand der Medizin in hochmodernen Operationssälen behandelt werden. Ich finde, dass die Ordenskrankenhäuser des RKK Klinikums eine ganz besondere Atmosphäre auszeichnet. Hier spürt der Patient, dass er im Mittelpunkt aller Bemühungen steht.

Welche Themengebiete sind Ihnen besonders wichtig?
Am St. Josefskrankenhaus bieten wir das gesamte Spektrum der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie an – und wann immer möglich in minimal-invasiver Technik, möglichst schonend und effektiv für den Patienten. Dabei ist mir das Prinzip der „Tailored Medicine“ besonders wichtig, nach dem beispielsweise nicht einfach aus Prinzip minimalinvasiv operiert wird, sondern immer die individuelle Patientensituation den Ausschlag gibt und der Patient eine auf ihn zugeschnittene Therapie erhält. Ein Anliegen ist mir auch der Ausbau unseres Leistungsangebotes in der Oberbauchchirurgie, wie Magen-, Pankreas- und Leberchirurgie. Beim Komplikationsmanagement nutzen wir nun auch endoskopische Möglichkeiten, um bei Heilungsstörungen unmittelbar aktiv zu werden und dem Patienten einen möglichen zweiten Eingriff zu ersparen. Vor diesem Hintergrund ist die auf den Weg gebrachte Verzahnung der Klinik für Gastroenterologie im Loretto-Krankenhaus mit der Inneren Medizin im St. Josefskrankenhaus für mich und die chirurgische Abteilung von großer Bedeutung.

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie von der im RKK Klinikum bereits etablierten Interdisziplinären Altersmedizin geschwärmt. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt ?
Ja. Unsere Patienten werden immer älter. So sind rund 50% unserer Krebspatienten bei der Diagnosestellung älter als 69 Jahre. Und mit dem steigenden Alter steigt auch der medizinische und klinische Aufwand: So ist zum Beispiel die akute Entzündung des Wurmfortsatzes, auch Appendizitis genannt, beim älteren Menschen nicht selten verschleiert, schwieriger zu erkennen, mit unspezifischen Schmerzen einhergehend und damit bei einer Operation oft schon durchgebrochen. Die chirurgische Therapie älterer Patienten stellt somit eine hohe Anforderung an die korrekte Indikationsstellung, eine adäquate chirurgische Technik und vor allem an ein auf die älteren Menschen angepasstes peri-operatives Management. Die interdisziplinäre Altersmedizin im RKK Klinikum wird diesen höchsten Ansprüchen gerecht. Die postoperativen kognitiven und funktionellen Einschränkungen der älteren Patienten können professionell verfolgt und behandelt werden; und die weitere Therapie im gemeinsamen Konsens mit den behandelnden Disziplinen täglich optimal an die Bedürfnisse geriatrischer Patienten angepasst werden. Eine aktuelle chirurgische Studie ist wie Wind in den Segeln der Interdisziplinären Altersmedizin im St. Josefskrankenhaus: Sie hat gezeigt, dass ein professionelles altersmedizinisches Assessment und ein optimal abgestimmtes peri-operatives Management die Ergebnisse der Chirurgie älterer Patienten signifikant verbessert.

Im November 2018 wurden Ihnen von der der US-amerikanischen Fachgesellschaft für Chirurgie der Namenszusatz FACS (Fellow of the American College of Surgeons) verliehen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung ?
Mit der Auszeichnung wurde meine klinische und wissenschaftliche Performance (vor allem im Bereich der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen) gewürdigt. Auch meine Präsenz in den einschlägigen Fachgesellschaften spielte hier eine Rolle. Der Titel sichert mir den sehr wertvollen Zugang zu Datenbanken, Fachjournalen, Fortbildungen, Kongressen und den Kontakt zu unseren amerikanischen Kollegen. Ich freue mich über die von der in Chicago sitzenden Fachgesellschaft zum Ausdruck kommende Wertschätzung für meine bisherige wissenschaftliche, klinische und vor allem chirurgische Arbeit.

Herr Professor Vowinkel, wir danken Ihnen für das Gespräch.